Gewürm

Ich finde, dass Käse sein schlechtes Image zu Recht hat. Findet man etwas blöd, sagt man: „Alles Käse.“ Stinkt jemand am Ende der Beine hat er „Käsefüße“ und sabbert jemand oben beim Sprechen im Mundwinkel hat er „Sprechkäse“.

Als Kind habe ich Scheibletten gegessen und dachte, dass das Käse wäre. Mutig wurde ich als junge Erwachsene mit dem Probieren von Gouda und Butterkäse. Das Ende der Käse-Evolution hatte ich mit Cheddar und Schafskäse erreicht. Alles, was geruchs- und geschmacksseitig danach kam, brachte mich zum Speien.

Freunde, die Käse-Verkostungen besuchen, kommt es gar nicht komisch vor, dass dabei immer Unmengen von Wein gereicht werden. Natürlich muss man blitzeblau sein, um das schimmelige Zeug runter zu würgen.

Den Menschen aus Sardinien ist im Winterhalbjahr vermutlich langweilig und sie denken sich daher allerlei Schabernack aus. Die Sarden lassen Käse solange vergammeln bis er Maden enthält. Dann füllen sie die Touristen mit Rotwein ab und servieren das Gekrabbel zwischen dünnen Brotscheiben den trunkenen Gästen. Das schmeckte wie Roquefortkäse, der 1974 sein MHD erreicht hatte. Zum Glück quiekten die Maden nicht, als wir drauf bissen. Der Italiener Lohn für die Madenzucht waren unsere entsetzten Gesichter, als offenbart wurde, was man da gegessen hatte.

Was ist eigentlich an Analog-Käse so verkehrt? Sorgfältig komponierter Geschmack, saubere Chemie und nicht mal das Gewürm will darauf nisten und das Produkt ist länger haltbar als ein Madenlebenszyklus.

 

Ihre Tina Voß