Freibad

Als ich das letzte Mal in einem öffentlichen Schwimmbad war, bezahlten wir noch mit D-Mark und ich hatte eine Schülerermäßigungskarte.  Dass es immer noch Freibäder gibt, weiß ich aus der Zeitung, wenn es zu früh/spät zu kalt/warm/trocken/nass ist und die Medien mangels anderer Themen darüber berichten.
Gehen auch Erwachsene in Freibäder, die keine Kinder haben? Was macht man da? Das Handtuch in der Nachbarschaft eines Ameisenhaufens und einer Großfamilie ausbreiten? Nach wenigen Minuten wird dann meist klar, warum das briefmarkengroße Rasenstück frei war. Es grenzt an die Spielwiese. Kreischende Kinder malträtieren die Ohren, Fußballtreffer den Rest des Körpers. Es ist auch einfach nicht der richtige Ort, um ein paar alte Bikinis aufzutragen. Körper und Stoff vereint nicht mehr die Symmetrie der früheren Jahre.
Selig hocken dagegen die lieben Kleinen im Nichtschwimmerbecken und lassen alles laufen, was angeregt durch das warme Wasser nach außen möchte. Im Schwimmerbecken überbieten sich die Machos von morgen mit Arschbomben oder menschliche Torpedos jagen kopfüber die Rutsche runter und rammen Schwimmer an der ungeschützten Flanke. Mutti fläzt sich derweil in einen Campingstuhl und gibt Vati ein Bier aus der Kühltasche. Dazu isst die Familie selbstgemachten Nudelsalat aus der Tupperbox.
Aber was macht man denn sonst in einem gekachelten Becken mit Chlorwasser? Warum war das früher im Sommer der wichtigste Platz?  Ich weiß es wieder! Es gab Pommes. Herrlich triefende Pommes mit Majo und Ketchup. Nach stundenlangem Anstehen  im nassen Badeanzug am Kiosk war man endlich an der Reihe und erhielt eine Pappschale voll Fett mit buntem Piekser. Gerade wenn man vom vielen geschluckten Chlorwasser aufstoßen musste, gab’s nichts Besseres.

Ich gehe die Tage da doch mal wieder hin. Zum Pommes essen.

Ihre Tina Voß