Fischsuppe

Als ich in den späten Achtzigern das erste Mal auf einer Mottoparty namens Fisch-sucht-Fahrrad war, fand ich das unglaublich originell. Das gleichnamige Buch war grad erschienen („Eine Frau baucht einen Mann so nötig wie ein Fisch ein Fahrrad“-auf Amazon nicht mehr zu finden) und mir und ein paar Freundinnen erschien das irgendwie eine effektive Geschichte zu sein. Hinweis an U30: Internet war noch nicht erfunden.

Nun wollten wir (paar Mädchen) aktuell für einen Freund eine adäquate Partnerin suchen. Ähnlich wie bei einer Vieh-Auktion konnten wir sie bei so einem zielorientierten Event direkt in Augenschein nehmen. Mir wurde schon im Vorhinein verboten, die Lefzen einer geeigneten Kandidatin hochzuziehen, um so die Zähne zu prüfen.

Die Partyreihe Ü40 versprach altersgerechte Zuteilung. Ich hätte allerdings nie gedacht, wie schamlos Ü40 ausgelegt wird. Es gibt doch auch bestimmt irgendwo reguläre Ü60-Partys. Da müssen die doch nicht den Schnitt versauen. Auch wusste ich nicht, dass es meist Männer sind, die da hin gehen. Unseren Kumpel haben wir nicht an die Frau bekommen, aber dafür haben wir viele Ü60-Blicke geerntet.

Verstohlen verkrochen wir uns in eine Ecke und beobachteten das Treiben auf der Tanzfläche. Eine von uns flüsterte erschrocken: „Das ist wie bei einem Unfall zusehen. Ich muss hier weg.“

Wir zerrten unseren Kumpel aus dem Etablissement und beschlossen, uns dem Zeitgeist anzupassen. Wir melden uns alle im Internet an und werden gemeinsam eine uns genehme Gefährtin für ihn finden. Der Nickname „Fahrradfisch“ wurde von allen abgelehnt. Ich fand, dass es eine feine Hommage an die Achtziger gewesen wäre.

Ihre Tina Voß