Tinas Kolumne

Feierbiest

 

Am Wochenende gab es eine besondere Fete. Menschen, die ich teilweise seit 25 Jahren nicht gesehen hatte oder die nach meinem Weggang in die alte Heimat im Vorharz gezogen waren und die ich gar nicht kannte. Facebook-Gruppe sei Dank. Da wollte ich hin!

Alle kannten die Location („da wo früher Carola gewohnt hatte und rechts Biegling“). Ich wollte mir keine Blöße geben, denn so groß war das Dorf ja nicht. Beim Parken fand ich auch sofort ein handgemaltes Schild „Party durchs weiße Tor“. Also ging ich rein und erkannte in der Menge von 50 Menschen zumindest einen. Prima! So stellte ich mich als Nachzüglerin vor die restlichen Gäste und nannte meinen Namen. Schweigen. Unverständliche Blicke. Die schauten, als wäre ich eine Amokläuferin, die die Partygäste ausknipsen wollte. Ich wurde unsicher. Die waren doch nicht älter als 25 Jahre. Eine Frau zog mich zur Seite und sagte: „Sie sind auf der falschen Veranstaltung. Nebenan bei Katja ist ihre Party.“

Mit hochrotem Kopf schlich ich wieder raus und klopfte nebenan. Katja öffnete. Ich fiel ihr um Hals! Die kannte ich doch. Wir waren in der gleichen Grundschulklasse! Katja kannte mich aber nicht mehr. Ihr Hund knurrte. Um das Eis zu brechen, bin ich an ihr vorbei und stellte mich dieser Gruppe vor. Schweigen. Unverständliche Blicke.  Vor allem Blicke aus faltigen Augen. Die waren doch mindestens dreimal so alt wie die erste Gruppe. Wieder falsch!

Ich schlich die Straße rauf und runter bis ich hinter einem Scheunentor Gelächter hörte. Vorsichtig tapste ich auf den Hof und erkannte auf Anhieb mindestens fünf Menschen. Und die sahen genauso alt aus wie ich. Sie lachten, tranken Bier, grüßten und erkannten mich!

Seit ich weggezogen bin, scheint eine Art Partydroge das Dorf infiziert zu haben. Oder wie sind drei Veranstaltungen am gleichen Abend in einer Straße sonst zu erklären?

 
Ihre
Tina Voß