Entschleunigte Gegenwelten

Prof. Dr. Hermann ist der Mental-Coach unserer Fußball-Nationalmannschaft und erklärte anschaulich in einem Vortrag, dem ich zuhören durfte, dass Menschen, die den ganzen Tag zielorientiert arbeiten (Umsatz steigern, Vertriebsziele erreichen usw.) in ihrer Freizeit prozessorientiert entspannen sollten, d.h. Skilaufen, Wandern, Laufen. Alles das, wo der Weg das Ziel ist, nicht das Ankommen innerhalb einer bestimmten Zeit. Er nannte das die Gegenwelt zur beruflichen Zielerreichung.

Endlich hat mal jemand meinen mangelnden Ehrgeiz bei Laufveranstaltungen schlüssig erklärt und gesagt, dass es wurscht ist mit welcher Zeit ich wo ankomme. Mit mir ab sofort im reinen laufe ich ohne jeden Leistungsdruck ein paar Halbmarathon-Läufe mit. Ich plaudere mit dem einen oder anderen Menschen um mich herum und genieße die Streckenführung. Leistungseinbrüche sind mir fremd, denn ich leiste ja nichts – ich trabe nur so vor mich hin. Dabei beobachte ich vergnügt meine Mitstarter, die mit Kohlenhydrat-Gels und Iso-Drinks am Gürtel mit hochrotem Kopf km fressen als ginge es darum, sich vor einem Bären in Sicherheit zu bringen.

Ok, ich bin 20 Minuten langsamer als früher, aber ich lerne nette Menschen kennen und bin völlig entschleunigt, toll.

Ihre
Tina Voß