Einfach mal knabbern lassen

Bei uns zu Hause ist das Sprechen über Füße verboten. Männer reden darüber nicht. Füße hat man(n) und schweigt. Auf keinen Fall widmet man ihnen mehr Aufmerksamkeit, als sie in Socken samt Schuhwerk zu verpacken und loszugehen.

Nun finde ich aber, dass das ein spannendes Feld ist. Diese vernachlässigten Körperteile sollten gecremt und gepflegt werden. Sie werden nie beachtet und tragen uns doch durchs Leben. Es gibt ganze Berufszweige und Industrien, die sich dem Ende der Beine widmen. Interessiert fragte ich im Freundeskreis rum, wie andere Menschen damit umgehen.

Mausi (Name von der Redaktion geändert) sieht es als ihre Aufgabe, die Füße ihres Gattens komplett mit einem professionellen Pediküre-Set eigenHÄNDIG zu pflegen. Wenn das hohe Surren des Gerätes den Raum erfüllte, fiel er in den ersten Jahren in eine Schockstarre, aber mittlerweile senkt er den Kopf und schleicht zum Stuhl, wo sie schon wie ein Zahnarzt mit dem Bohrer auf ihn lauert. Die Behandlung hasst er, aber das Ergebnis überzeugt ihn so sehr, dass er kaum daran gehindert werden kann, auch im Winter Flipflops zu tragen. Da die Aufmerksamkeit ab ca. November auf diese Art des Schuhwerkes sprunghaft steigt, fand der Gatte dass das Werk seiner Frau so noch viel besser bewundert werden könnte.

Überwiegend höre ich aber, dass niemand fremde Hände an seine Füße lassen will. Da las ich in der Tageszeitung meines Vertrauens von 50% Nachlass auf eine Kangalfischbehandlung. Die Natur hat diesen armen Kreaturen Hornhaut als Delikatesse in den Speiseplan geschrieben. Was für ein böser Streich. Ich dachte immer, dass Mistkäfer, die Exkremente zu haushohen Kugeln rollen, die Unglückswürmer wären.

Nun ist ja bald Weihnachten und ich überlege mit steigendem Genuss die offerierten 50% Rabatt sinnvoll zu nutzen. Heimlich habe ich mir eine Liste der Keine-fremden-Hände-an-meine-Füße-Menschen angelegt. Wenn ich nun während der Feiertage durch die Stadt fahre und überall meine Gutscheine (mit kleinem Holzfisch liebevoll in die Schleife eingebunden) verteile, habe zumindest ich großen Spaß.

Ihre

Tina Voß