Einen Stern

Wenn man mit stolz geschwellter Brust verkündet, dass das eigene Etablissement einen Stern hat, kann man entweder ein Auserwählter sein oder ein Zyniker, denn der Himmelskörper deckt in der Gastronomie alles ab.
Bei einem 1-Sterne-Hotel bekommt man eine Tapferkeitsmedaille verliehen, wenn man den Mut hat, da zu übernachten. Das Essen ist eingeschweißt, Klo und Dusche für alle auf dem Gang und das Zimmer ist so groß wie ein Zugabteil.
Eine 1-Sterne-Küche hingegen zeichnet die hohe Schule der Küche aus, die sich traut, Sachen so eigenwillig zu kombinieren, die ich aus Angst vor Kontamination nicht mal zusammen im Kühlschrank lagern würde. Aber wieso ist es vor allem immer an-irgendwas. Meist liegt es doch oben drauf. Müsste es dann nicht z.B. „Pobacken von minderjährigen Rindern oben auf Kartoffelbrei hockend“ heißen statt „Kalbsbäckchen an Mousse aus zweierlei Kartöffelchen im Dialog“? Früher hätte ich auch gedacht, dass „Paprikaschaumsüppchen“ heißt, dass das Gemüse nicht mehr gut ist und vergnügt vor sich hin gärt und was bringt überhaupt Köche dazu „englisches Steak“ anzubieten? Wenn man es blutig mag, kann man sich sein Rind doch auch selber reißen und muss nicht zu jemandem gehen, der für das Zubereiten eines Stückes Fleisch sogar eine komplette Ausbildung absolviert hat. Ich habe Hunger und frage gleich mal bei Alis Döner-Treff nach, ob er mir das irgendwie erklären kann. Er ist ja schließlich auch so eine Art Koch.

 

 
Ihre
Tina Voß