Drum prüfe...

Ich gehe nicht gerne zu Hochzeiten. Nicht, weil ich finde, dass keiner heiraten sollte, sondern weil ich immer so schrecklich ergriffen bin und in Tränen ausbreche. Standesamtlich kann ich es noch aushalten, wenn ich zur Ablenkung gedankliche Einkaufslisten mache. Kirchlich geht leider überhaupt nicht. Aber zum ersten Mal bereue ich, dass ich nicht live dabei war.

Unser Kollege trat samt Freundin vor den Traualtar und hatte einen coolen Pastor, der die Zeremonie souverän durchziehen würde. Aus Berichten weiß ich, dass es der Braut so ging wie mir – nur schlimmer. Sie konnte die Tränen kaum stoppen. Das sieht leider auf Bildern dann meist so aus, als wäre es eine arrangierte Hochzeit und die Braut stünde unter Zwang. All diese Gedanken hatte sich sicher der Pastor gemacht, als er unter schluchzender Begleitung der Braut seine Frage an unseren Kollegen stellte. „Möchtest Du die hier anwesende Sandra….?“ Der Pastor schaute irritiert, weil unser Kollege zart aber bestimmt den Kopf schüttelte und die Augen weit aufriss. Die Tränen der Braut versiegten schlagartig und sie schaute fassungslos in die Runde. Er wollte nicht heiraten? Doch, wollte er. Am liebsten aber Janine, die vor ihm stand. Der Pastor lächelte, die Braut weinte nicht mehr und im zweiten Rutsch waren Namen und Antworten perfekt.

Welch unkonventionelles Manöver, um die Hochzeitsgemeinde zu fokussieren und die Rührung zu unterbinden. Mir wäre das nicht eingefallen.

 

Ihre Tina Voß