Draußen Zuhause

Es ist Sommer, alle wollen raus. Spinnen, haarige Raupen und Vogelkacke sind schon da. Der Salat mit Dressing verwandelt sich in der Hitze zu einer Sommersuppe mit welkem Gemüse, das Bier in ein Wespengrab und die Pollen des draußen wachsenden Gezüchts klammern sich an meine Nasenschleimhaut. Warum ist Outdoor nur so beliebt?  Wir haben keinen Einfluss auf die Temperatur, verbrennen krebsrot und schwitzen.

Es ist doch viel schöner, sich das hinter Glas anzuschauen. Die Vogelkacke landet auf der Scheibe, fliegendes Getier knallt gegens Fenster, aber keiner von denen kommt rein. Die Temperatur lässt sich regeln und der Kühlschrank beschützt Bier und Salat. Und überhaupt ist so ein Sofa viel bequemer als ein Liegestuhl, dessen Flechtmuster sich ins Gesicht gräbt, wenn man sabbernd einschläft und mit einer rot glühenden Gesichtshälfte (der anderen!) wieder aufwacht.

Alles, was zivilisierte Menschen ausmacht,  Haus, Elektrizität, Fernseher, Wasser-Klosett, Ofen, ist drinnen. Also bleib ich da auch. Irgendwann kommt der Herbst und dann findet mich auch niemand mehr skurril. Ich sitz das aus, wie jeden Sommer.

Ihre

Tina Voß