Die Freuden des Alters

Im Alter geht einem einiges verloren. Unserem Firmen-Mops-Opa zum Beispiel durch eine Erkrankung die Hoden. Es  geht im Grunde auch prima ohne baumelnde Testikel und nimmt den Konkurrenzdruck und die Angeberei aus dem täglichen Habitus raus. Sehr angenehm bei Spaziergängen, wenn man nicht mehr den gefühlten Rottweiler, der aber für andere Hunde nicht mehr als bodennaher Bewuchs ist, bändigen muss.
Allerdings verhält Herr Karlsson sich jetzt ein bisschen so, als hätte ihm jemand die Batterien rausgenommen. Er ist sehr gemütlich geworden. Wenn es regnet, entscheidet er spontan schon mal, dass Toilettengänge noch warten könnten. Läufige Hündinnen, angeberische vollausgestattete Rüden, alles wurscht. Maximal bellt er noch Tauben im Tiefflug an. Die Vögel waren ihm zwar sonst egal, aber jetzt sind es Todfeinde. Warum weiß nur das altersstarrsinnige Mopsgehirn.
Eine einzige Sache fasziniert ihn noch: Fressen. Im Tiefschlaf ein Löffel voll Leberwurst vors Gesicht gehalten und der Mops ist angeschaltet und reißt mit dem Maul den Löffel an sich. Da er auch ungern vom Sofa aufsteht, lege ich eine Spur aus Futter bis zur Haustür. Die arbeitet er sauber ab. Dann Leine rüber und den Hund nach draußen zerren.
Essen ist der Sex des Alters. Zumindest für diesen Hundesenior. Ich überlege rund um den Block in Abständen von 2-3 Metern Futterstücke zu deponieren. Dann geht er zukünftig mit sich selber spazieren und kehrt zuverlässig zurück. Erste Feldversuche gingen schief. Auch andere alte Hunde der Nachbarschaft wollten Alters-Sex. Und dann noch die Tauben. Denen ist ja nichts heilig. Jetzt weiß ich warum, dass seine Feinde sind.

 

Ihre Tina Voß