Der Knoten im Kopf

Endlich habe ich einen Freifahrtschein für alle Verrücktheiten bekommen. Egal, ob ich morgens in einem Funkenmariechen-Kostüm zur Arbeit komme, beim Ausparken eine ganze Wagenreihe demoliere oder eine langjährige Mitarbeiterin frage, wer sie denn wäre und ob sie auch bei uns arbeiten wolle. Alles hat eine logische Erklärung und ich bin unschuldig. In einem Wikipedia-Artikel über Linkshänder bezeichnet eine Wissenschaftlerin die Umerziehung auf das gute Händchen als den „massivsten unblutigsten Eingriff am Gehirn“. Kein Wunder, dass ich so seltsam bin. Nach so einer Operation! Auch rückblickend sehe ich meine Schulzeit nun gnädiger. Meine Unfähigkeit, in Chemie über ein „ausreichend“ hinaus Klassenarbeiten zu schreiben, obwohl ich einen vierseitigen Spickzettel am Bein befestigt hatte, wurmt mich nicht mehr. Es hätte viel schlimmer kommen können. Verhaltensstörungen, Konzentrationsprobleme und Störungen der Koordination sind häufige Folgen der Umpolung. Gegen solche Störungen ist man als alterndes Funkenmariechen mit Einparkstörung und Chemieschwäche vergleichsweise gut weggekommen. Falls ich noch Rockstar werden will, lasse ich auf der Gitarre die Saiten umziehen und als Handballprofi bin ich für die Gegner mit meinem bösen Händchen als Wurfarm viel schwerer einzuschätzen. Ist nur so schade, dass ich niemals Jai Alai spielen kann. Aus Sicherheitsgründen darf das nur mit der rechten Hand ausgeführt werden. Ich werde mal herausfinden, was das ist und dann entscheiden, ob ich traurig bin, dass ich niemals als Jai-Alai-Könner die Welt beeindrucken werde.

 

Ihre Tina Voß