Der gelbe Hals

Liebe Kollegen,

vielen Dank für Euer Geburtstagsgeschenk: einmal im Leben professionell geschminkt zu werden!
Die sehr bemühte Mitarbeiterin des hochpreisigen Make-up-Labels konnte die Schichten nur in einer vorgeschriebenen Reihenfolge auftragen. Meinen Wunsch nach einem „leichten Tages-Make-up, das in 5 Minuten mein Gesicht in ein liebliches, frisches Antlitz verwandelt“, war vielleicht auch überzogen. Das gebe ich gerne zu. Nach 40 Minuten blickte ich geschockt in den Spiegel.
Mak-up-Artist(in): „Stimmt was nicht?“
Ich: „Mein Gesicht ist total gelbstichig durch die Schichten.“
MuA: „Gefällt Ihnen das nicht? Ihr Hals ist doch auch gelb.“
Ich: „Ist er gar nicht!“
*Make-up-Artist kratzt die Schichten 1-7 wieder runter, startet neu mit rosa Produkten*
Ich: „Wenn ich mein Gesicht bewege, kriege ich durch die Schichten tiefe Falten.“
MuA: „Dann müssen Sie das Gesicht stillhalten.“
Ich: „Auf keinen Fall. Mein Gesicht und ich bewegen uns den ganzen Tag.“
MuA: „Das ist dann ein Problem bei Ihrer reiferen Haut.“
Sie nutzte den sprachlosen Moment, um Highlighter (Glitzer), Contouring (Bronzepuder) und sechs (!) verschiedene Lidschatten aufzutragen. Als sie den Eyeliner pfeilförmig in Richtung Haaransatz auslaufen ließ, schaltete ich auf Fluchtmodus. MuA sprühte noch abdichtenden Zement über die Farbschichten. Um 15 Jahre optisch gealtert rannte ich aus dem Laden. Daheim nahm ER das Ergebnis in Augenschein, rückte dicht an mich ran und sagte: „Interessant. Die hat dir ein Fell ins Gesicht geschminkt.“
Es grüßt an dieser Stelle der über 60 Jahre alte gelbstichige Yeti. Bald ist Fasching. Mein Kostüm baue ich mir dann selber. Die Produkte waren im Geschenk inkludiert. 

 

Ihre
Tina Voß