Der Bruzzler

Ich gestehe. Ich verabscheue Grillen. Miele, Siemens und Co. haben vor langer Zeit innovative Erfindungen gemacht, die uns das Erhitzen von Speisen innerhalb unserer vier Wände ermöglichen. Diese Wände verdanken wir wiederum dem Pioniergeist unserer Vorfahren, die den Haus- und Höhlenbau erfanden.

Warum zum Geier verlassen wir unsere Höhlen und Kochstellen, gehen nach draußen und bereiten Essen über dem offenen Feuer zu? Wir kaufen doch auch unser Hähnchen im Supermarkt und erdrosseln nicht das Federvieh des Nachbarn. Wir schlafen in gemütlichen Betten und nicht unter den ausladenden Blättern eines Ahorn-Baumes. Wir tragen Gore-Tex, Baumwolle und Synthetik und nicht die Felle von selbst mit dem Speer erlegter Rehe.

Erwachsene Männer singen mit ihrer Brut den Bratmaxe-Song und keiner findet das seltsam? Vorheizen der Kohle kennen noch die älteren Menschen unter uns von ihren Warmwasser-Badeöfen und ich dachte, dass wir das alles hinter uns gelassen haben, aber nein. Die Grillsaison macht uns alle wieder zu Neandertalern. Geübt wird im Winter schon mal mit einer GRILL-Pfanne oder der GRILL-Funktion des Ofens. Sehnsüchtig starren Männer in der kalten Jahreszeit in den Kamin und ich kann in ihren Gedanken lesen wie gerne sie ein Spanferkel über der offenen Flamme in meditativen Bewegungen gar bruzzeln lassen möchten.

Dieter Bohlen macht Werbung für Grillfleisch. Sollte uns das nicht Warnung genug sein, dass wir in der Evolution eine Rolle rückwärts machen?

Liebe Grüße
Tina Voß

PS: Diese Kolumne ist unserer firmeninternen Grill-König gewidmet, die aber namentlich nicht genannt werden will. Die Bruzzlerin!