Das Wacken der Büroangestellten

Jede Jahreszeit hat ihre Events. Die Sommerveranstaltungen kann ich gut aushalten. Es ist hell, überwiegend warm und zur Abkühlung gibt es Bier. Ab November aber wird es finster. Der Karneval beginnt. Eine Kombi aus Ballermann, Ischgl und Kinderschminken flutet das Land. Aus unerfindlichen Gründen hört der Unsinn nicht in Braunschweig auf, sondern kommt bis nach Hannover. Das muss man mögen oder nicht.

Wenn der 11.11. endlich überstanden ist, werden innerstädtisch an strategisch günstigen Stellen viele kleine Holzhäuser aufgebaut, eine leiernde Doppelkassette Weihnachtslieder aufgelegt, fertig ist der Weihnachtsmarkt. Das Wacken der Büroangestellten und Beamten.

Obwohl die Outdoorsaison aus guten Gründen vorbei ist, wird draußen gegrillt und gesoffen. Es regnet, schneit oder hagelt. Kalt ist es auf jeden Fall immer und dunkel auch. Außer man will Sonntagnachmittag Kindern dabei zuschauen, wie sie auf Plastiknilpferden im Kreis fahren.  

Der wesentliche Unterschied in den Getränken der Sommersaison besteht da drin, dass der Wein mit Zweigen, Zucker und Spiritus aufgekocht wird, der Rum im Kaba landet und kaum Bier zu bekommen ist. Dazu ist es zu kalt. Warmes Bier ist eklig, hilft aber angeblich bei Erkältung.  Das Trinken wäre dann immerhin eine vorbeugende Gesundheitsmaßnahme. Glühwein schmeckt auch nicht. Wobei der größere gesellschaftliche Anerkennung genießt. Gruppen von Menschen, die sich meist sowieso den ganzen Tag sehen, verabreden sich nach Feierabend, um im Regen/Schnee abends mit Eisfüßen Kaba mit Rum zu trinken und Bratwurst zu essen.

Übergeht mich dabei. Ich bin dann nicht sauer. Frohe Weihnachten!

 

Ihre Tina Voß