Das Leben in einer Schiffskabine

Alles an Bord eines Postschiffes der norwegischen Hurtigruten ist großzügig, zumindest denkt man das, bis man in seine Kabine darf. Ein Zugabteil mutet dagegen wie ein Tanzsaal an. Man muss hintereinander reingehen und in umgekehrter Reihenfolge wieder raus. Wenn in der 2er Kabine einer wie fest getackert auf seinem vorab ausgeklappten Einzelbett lag, konnte der andere sich auf den verbliebenen 30 cm frei bewegen. Inkludiert war auch eine Nasszelle, wo man gleichzeitig duschen, Zähne putzen und auf die Toilette gehen konnte – sofern man größer als 120 cm war. Sonst reichte man nicht an alles heran.
Die Kabinenunterhaltung beschränkte sich auf Licht an/aus, Heizung rauf/runter oder mein persönlicher Favorit: Die Vakuum-Klospülung! Das schlürfende Absauggeräusch, das sich  mit einem schrillen pfeifenden Geräusch aufbaut und dann mit einem ohrenbetäubenden FUPP das Klo von was auch immer befreit, hatte ich irgendwann liebgewonnen.
Gott sei Dank schrie mich ab und an die Stimme aus dem in der Kabine eingebauten Lautsprecher mit norwegisch-englisch-deutschen Mitteilungen an. So konnte ich an meinen Fremdsprachenkenntnissen etwas arbeiten. Zum Glück war die Kabine auf dem Deck, wo man rumlaufen konnte. Wenn also alle o.g. Tätigkeiten nicht mehr die rechte Zerstreuung liefern konnten, war eine Möglichkeit der Unterhaltung, dass man ins Fenster starrenden Passagieren seine besten Grimassen zeigte. Aber auch die längste Urlaubswoche ging irgendwann zu Ende.


Ahoi!

Tina Voß