Brillenschlange

Vor 20 Jahren wollte niemand wie Nana Mouskouri oder wie Bill Gates aussehen. Kam man aber um eine Brille nicht herum, wählte man etwas unauffälliges Randloses. Während die Gläser früher eher dafür sorgten, dass man nicht ständig irgendwo gegen rennt, ist so ein Gestell heute vor allem ein modisches Statement.

Dünne amerikanische It-Girls tragen Sonnenbrillen, die bis zum Kinn gehen und die einzige Rundung am Körper darstellen, randlose Brillen haben Zacken wie ungeschickte Laubsägearbeiten und erwachsene „Digital Natives“ tragen Bill-Gates-Modelle, die so groß sind, dass auch die Wangenknochen alles sehen könnten. Auch die so gefürchtete Altersfehlsichtigkeit in der Menopause kann mit Gleitsichtbrille geschickt getarnt werden.

Mein persönlicher Favorit ist aber die Konsequenz der modischen westlich orientieren Chinesin. Dort wird die Brille ebenfalls eher als Accessoire eingestuft und daher setzen die Hersteller nicht mal Fensterglas ein. Die Asiatinnen tragen ein poppiges Gestell, das die Farbe der Handtasche oder irgendeines Knopfes konsequent wieder aufnimmt, aber völlig ohne Gläser. Man kann den Frauen während des Gespräches problemlos ins Auge pieksen oder erstaunt zuschauen, wie sie sich ohne hindernde Scheibe eine Wimper aus dem Auge wischen.

Wie dieser Trend wohl weiter geht? Taschen-Dummies ohne Innenleben? Schuh-Attrappen ohne Sohle, die man einfach über die Puschen stülpt?

Liebe Grüße

Tina Voß