Blumige Grüße

Manche kollektiv gelebten Vorlieben erschließen sich mir einfach nicht. Beispielsweise warum Frauen auf Schuhen durch die Welt staksen, die so unbequem sind, dass nur der Orthopädenverband sich das Design als Kundenbindungsmaßnahme ausgedacht haben kann.
Genauso geht es mir leider mit Schnittblumen jeder Art. Eine ganze Industrie lebt davon, dass sie Blumen abschneidet, diese zu einem wirren Durcheinander friemelt, Papier drum macht und verkauft.  Aber zu welchem Zweck?
Bei den Flora-Leichen ist oftmals ein Beutel mit einer Art Vegetations-Anabolika angeklebt. Kurz bevor die Blümchen nun ihr Leben aushauchen, stellt man sie mit dem Pflanzenkokain ins Wasser. Gierig trinken die vorher nochmals amputierten Stängel (steht in Anleitung: Schneiden Sie die Stängel 2 cm kürzer) ihre Henkersmahlzeit aus der Vase.
Vergisst man nun, das Wasser auszutauschen, müffelt es nach ein paar Tagen in der Wohnung als wären Ratten im Abfluss verendet. Spätestens dann fällt mir auf, dass die Pflanzen, demütig in ihr Schicksal ergeben, die Köpfe hängen lassen und darauf warten, endgültig im Bio-Müll beerdigt zu werden. Bei der geringsten Bewegung fallen alle Blüten und anderes Gewölle ab und man kann aus der Vase heraus nur noch die nackten Stängel beerdigen. Der trockene oder klebrige Rest (je nach Sorte) muss separat zusammengefegt und entsorgt werden.
Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Valentinstag. Wehe, irgendwer überreicht mir einen Strauß Leichen…

Ihre Tina Voß