Bella Italia

Bis vor kurzem war ich in Sachen Koffein eine Schweizerin und damit Verfechterin eines Vollautomaten.  Nun habe ich mich den Italienern zugewandt. Meine Freundin Sandra hat von mir die schweizerische Staatsbürgerschaft, also den Vollautomaten, zur Nachnutzung erhalten.
Nun stand sie da. Die kleine Italienerin, nicht Sandra. Verchromt, mit einer Instrumententafel wie im Sportwagen, zischenden Auslässen und bunten Knöpfen.  Morgens hatte ich bereits joggend ein Kilo in Hamburg geröstete Spezialbohnen abgeholt und auf meinem Rücken nach Hause galoppiert. Um die Ecke wohnt ein netter Unternehmerkollege, der von meinem Kauf erfahren hatte und dafür erlesene Bohnen spendete (Danke, Herr K.!).
Dann kam der Maestro nach Hause, stürzte sich auf die Maschine, vergaß den Anzug auszuziehen, zu essen, zu trinken und dass ich auch da war. Drei Stunden später nickte ich am Tisch immer wieder ein. Um mich herum war zwar ein Espresso-Inferno, aber alles spielte sich noch im experimentellen Bereich ab. Harmonierte der Mahlgrad nicht mit der Wasserhärte, gabs keine Crema oder das zu Staub verfallene Kaffeepulver verschloss die Poren des Siebes. War es zu grob eingestellt, floss die Brühe zu schnell und sah aus wie Tee. Was passierte, wenn man nicht gut genug getampert hat, habe ich verdrängt. Dieses neue Tu-Wort konnte ich mir noch nicht merken.
„Kauf morgen den Einer-Auslauf!“ Ich schreckte am Tisch aus meinen Träumen hoch. Er wusste, dass ich im selben Raum war! Nur was sollte ich kaufen? Ich gaukelte Wissen vor: „Klar, mach ich.“ Das Gespräch brach wieder ab. Mann runzelte die Stirn und fuhrwerkte weiter an Hebeln und Düsen rum.  Ich wurde Stunden später wieder geweckt und musste etwas testen, das grandios nach Schokolade schmecken sollte. Ich kaute einen Schluck grobkörnigen Teer. Igitt! Zum Frühstück sollte aber alles perfekt sein. Ich schlurfte ins Bett.
Morgens waberte Nebel um unseren Wohnsitz. Ich schaltete den Dampfkessel ein. Maestro stand auf, mahlte, roch, füllte Wasser auf und kochte eine ungenießbare Brühe. Als ich beim Ausspucken die Wände (dieses langweilige weiß war auch out) neu dekorierte und fragend schaute, sagte er: „Falscher Mahlgrad für diese Luftfeuchtigkeit!“ Und das meinte er ernst. Mein Kollege Olli brachte mir mitleidig ein Geschenk mit: Bodum-Nachbau von IKEA. Kocht Kaffee. Einfach so, sogar bei Nebel.

 
Ihre
Tina Voß