Baumeister

Für mich sind Legosteine etwas, das ich seit über 40 Jahren überwunden habe. Nun stand in der Zeitung ein Artikel über Männer, die ganz Hannover aus den bunten Steinen nachbauen.
Ich: „Guck mal. Ist das nicht komisch?“
ER guckt und schüttelt den Kopf.
Ich: „Du findest das normal? Warum?“
ER: „Weil das toll ist, wenn man was erschaffen kann.“
Ich: „Aus Kinderspielzeug?“
ER: „Das ist kein Kinderspielzeug! Es gibt von Legotechnik Schwerstlastkräne, Trucks, Ferraris, Unimogs und sogar den Todesstern für 600 Euro.“
Ich: „Den was?“
ER: „Was? Du kennst den Todesstern aus Krieg der Sterne nicht? Dann weißt Du auch nicht, was Mindstorm ist?“
Ich schüttelte den Kopf.
Er: „Damit baut man Roboter oder andere interaktive und autonome Systeme.“
Eigentlich redet ER nie, schon gar nicht morgens. Jetzt war er nicht mehr zu stoppen. Es klang für mich wie der Bauplan einer Raumstation. Individuell konfigurierbare Bausteine mit Zentralrechner „Brick“, NXT-Stein, natürlich frei programmierbar. Ich schaute ihm fassungslos beim Reden zu und verstand nix. Sprachen wir noch über Lego?
Kopfschüttelnd griff er zum iPad, wischte auf der Oberfläche rum. Der Redefluss versiegte, der Kaffee wurde kalt. ER murmelte: „Bestimmt kann man Brix mit einer App jetzt über das iPhone steuern. Unfassbar. Der Todesstern ist reduziert! Das gibt’s ja gar nicht…“ Wisch…wisch…
Irgendwann fuhr ich zur Arbeit. ER sitzt vermutlich immer noch in der Küche.

Ihre

Tina Voß