Bauhaus? Gibt’s gar nicht.

Kennen Sie auch Sessel, Lampen und Sofas zu denen Ihnen gerne die Besitzer mit stolzgeschwellter Brust erklären, dass das Bauhaus ist?

Ich weiß jetzt, dass das ein Schwindel ist. „Bauhausspaziergang“ hieß die eher stationäre Veranstaltung, an der ich in Weimar teilnahm. Ich stand 40 Minuten im Bauschlamm vor einem reichlich abgerockten Gebäude und ließ mir vom Stammpersonal der Bauhaus-Universität erklären, dass die Arbeiten dieser Ära eher dilettantische Studentenstücke sind, die zu 90% nie in Serie gingen. Die berühmte Wagenfeldleuchte (Preis ca. 400 Euro) hat den Lampenschirm von jemand ganz anderem, weil der von Herrn Wagenfeld entworfene gerne mal wegbrutzelte oder komische Schatten warf.

Das Gropius-Direktorenzimmer wurde originalgetreu anhand des goldenen Schnitts gebaut. Allein das Verrücken eines Stuhls hätte bei Herrn Gropius eine Herzattacke ausgelöst, weil die Symmetrie des Zimmers sofort futsch wäre.

Bekannt wurde der ganze Kram nur, weil die großen Meister in den 30iger Jahren in die USA und nach Russland auswanderten und so ihre Entwürfe in die Welt trugen. Somit denkt jeder, der in einem weißen Kasten mit Flachdach wohnt, dass er ein Bauhaus hat.

Wäre ich nie in Weimar gewesen, hätte ich mir eine Illusion bewahrt …

Liebe Grüße
Tina Voß