Ausmisten

Ausmisten ist eine meiner Lieblingsarbeiten. Platz schaffen, loslassen und den Augen leere Flächen gönnen. ER sieht das anders. ER sammelt Schrauben, Werkzeug und auch Autohalterungen für Telefone, deren Hersteller schon vor Jahren die Produktion von Funktelefonen eingestellt hat. Für derlei Produkte existiert ein KER (Kellerersatzraum), der außen am Haus montiert ist.
In den innenliegenden Zimmern hortet ER aber auch Gedöns, das seine Halbwertszeit in meinen Augen deutlich überschritten hat. Unter anderem auch eine Lederjacke, die vor 15 Jahren rattenscharf war. Jetzt könnte man sie im 90er Jahre-Shop für eine Motto-Party bestellen.
Mindestens einmal im Quartal setze ich liebevolle Hinweise in SEINE Richtung ab. Es scheint allerdings einen Störsender zu geben, so dass die Schallwellen nicht ungehindert bis zum Empfänger durchdringen.
Also starte ich ab und an einen neuen Sendeversuch.
Ich: „Sag mal, wann hast du zum letzten Mal deine Cassetten-Sammlung gehört?“
ER: „Keine Ahnung.“
Ich: „Und deine Schallplatten?“
ER: „Keine Ahnung.“
So langsam schien IHM die Richtung des Gespräches klar zu werden.
„Die Lederjacke oben im Schrank hattest du jetzt aber auch 10 Jahre nicht an.“ Ich verlieh meiner Stimme Nachdruck.
ER schwieg. Ich holte Luft, um weitere Argumente abzufeuern.
ER: „Gut, dann ziehe ich morgen die Lederjacke an und höre meine Cassettensammlung. Du kannst dir gerne deinen Gehrock überhängen, den Motorradhelm aufsetzen, die Glitzerstiefel anziehen und dich dazu setzen.“
Ich schwieg.

Ihre Tina Voß