Auge um Auge

Eine Wimper, ein Staubkorn oder ein Fussel sind einzeln betrachtet nichts Schlimmes. Wenn sie sich aber vermeintlich im Auge befinden und auch durch spülen, blinzeln, reiben nicht zu vertreiben sind, kann nur der Facharzt helfen. Vor diesem Termin lag aber die jährliche Tollwutimpfung für den gefühlten Rottweiler.

Als der Mops seine Spritze in sich hatte, dachte ich mir, dass Auge gleich Auge ist und bat den Tierarzt mal mit der Lupe nach dem Fremdkörper zu forschen. Ich legte mich auf den Untersuchungstisch für Meerschweinchen, Beutelratten und anderes Getier. Der Veterinär fand nichts, aber hatte den Hinweis, dass Heizungsluft und fortschreitendes Alter der Augenbesitzerin dieses Gefühl verursachten.  Er kenne das. Dabei griff er hinter sich ins Regal, gab mir eine Packung „Augentropfen für Säugetiere“ und entließ mich und das Tier als geheilt.

Nachdem das Verhalten in meinem Umfeld auf Unverständnis stieß, suchte ich auch noch den Augenfacharzt auf. Da solle man ja einmal im Jahr den Augeninnendruck messen lassen. Läuft das sonst etwa aus? Ich war zwanzig Jahre bei keinem Augenarzt und meine Augen hielten bombig. Mir wurden die Lider nach außen gestülpt, fiese Luft ins Auge gepustet, ich musste Zahlenkolonnen lesen und war eine halbe Stunde in einer unangenehmen Behandlung. Diagnose blieb gleich, nur mit mehr Brimborium drum herum. Das Rezept schmiss ich weg und griff nach meinen Säugetiertropfen.

Nächste Woche bringe ich den Mops wieder zum Tierarzt. Dort wird mit einem Ultraschallgerät Zahnstein entfernt. Wann war ich eigentlich bei der letzten Routinekontrolle und ob die Krankenkasse den Bonus-Stempel im Heftchen von Karlssons Arzt wohl anerkennen würde?

Ihre Tina Voß