Auf Reisen

Falls man im Flieger oder in der Bahn nicht schlafen kann, lohnt meist ein kleiner Rundgang vorbei an den Mitreisenden, um festzustellen, dass man auch besser wach bleiben möchte.
Die gepflegte Dame auf Platz 23 schnarcht wie ein Bierkutscher und wird im Vorbeigehen immer unauffällig vom Schaffner getreten, da sich andere Reisende gestört fühlen. Dafür läuft dem Herren auf der 17 ein Sabberfaden aufs Armani-Jacket. Bei 2-jährigen toleriert man das noch lächelnd und putzt es ohne viel Aufhebens weg.
Mein persönlicher Favorit ist der Herr auf 81/82. Sein Kinn ist soweit herabgefallen, dass man problemlos ein paar zahnmedizinische Grunduntersuchungen durchführen könnte. Ob ich mal an seiner Schulter ruckele und ihm einen Gummi-Einmachring anbiete? Mit diesem Hilfskonstrukt um den Kopf wäre das Kinn gut fixiert und gegen Muskelentspannung gepaart mit Schwerkraft geschützt.
Menschen, die mit mir verreisen, schlafen nicht mehr seit dem Mobiltelefone Bilder machen können und ich diese begeistert an ausgesuchte Menschen via MMS weiter verschicke. Ich gebe zu, dass die Anzahl williger Mitreisender rapide gesunken ist. Aber alles im Leben hat seinen Preis.

Ihre
Tina Voß