Virtuelle Überflieger mit Unterstützungsbedarf – was erwartet uns mit der Generation Z?

Als ich mir kürzlich etwas in meinem Handy notierte, schaute eine Studentin mich mitleidig an: „Frau Cordini, wieso nehmen Sie noch die Tastatur? Ist doch voll umständlich. Nehmen Sie doch die Spracherkennung!“
Während sich die Babyboomer der Nachkriegsgeneration voller Motivation und Veränderungswillen in ihre Jobs stürzten, haben wir es mit der kommenden Generation Z der Geburtsjahre 1995-2010 mit ganz anderen Interessen und Kompetenzen zu tun.

Was können die Zs?
Während andere Generationen sich noch die Frage stellen: „Geht das digital vielleicht einfacher?“ fragen die Zs: „Geht das auch anders ALS digital?“ Die Z-Generation ist permanent online in sozialen Medien und
findet und prüft alle Informationen, die im Netz verfügbar sind. Folglich sind sie gut informiert, aber auch sehr kritisch. Rasante Veränderung ist für sie Alltag, also völlig ok.

… und was können sie nicht so gut?
24 Stunden online sein hat auch eine Kehrseite: Die Zs werden tatsächlich später erwachsen, weil sie im realen Leben schlicht langsamer Erfahrungen sammeln. In praktischen Dingen sind sie unsicherer und
brauchen mehr Unterstützung. Das gilt auch für die direkte face-tof ace Interaktion und zeigt sich in geringerer emotionaler Kompetenz und Gruppenverhalten.

Was wollen die Zs?
Ein sicherer Arbeitsplatz ist wichtig. Was den allgemeinen Wohlstand betrifft sind Zs in einer finanziellen Komfortzone aufgewachsen. Keine Arbeit um jeden Preis, aber Sinn machen und Spaß bringen muss sie.
Das Bedürfnis nach Work-Life- Trennung ist groß, jedoch aufgrund des permanenten Online-seins schwer zu verwirklichen. Kollegen spielen eine große Rolle, vielleicht, weil der direkte Kontakt beim virtuellen Aufwachsen etwas auf der Strecke geblieben ist.

Wie spricht man mit ihnen?
Die Generation Z kennt Kommunikation eher über Bilder als über Schrift. Recruiting macht vor allem über Influencer, soziale Netzwerke und mobile Anwendungen Sinn. Videobotschaften werden Anschreiben
irgendwann ablösen. Für den Ton der Ansprache gilt dasselbe, wie für die direkte Führung: Auf Augenhöhe erzogene Menschen, die aus dem digitalen Netz keine Hierarchie kennen, erwarten das auch von ihrem Arbeitgeber.

Motivation – eine neue Herausforderung!
Für die Z-Generation ist Selbstverwirklichung wichtiger als Gehalt und Status. Anreize über Gehalt und Position funktionieren also nur bedingt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bereitschaft zur emotionalen
Bindung an das Unternehmen grundsätzlich gering ist. Lassen Sie sich etwas einfallen!
Die große Herausforderung bringt die Digitalisierung mit sich. Schon jetzt berichten Personaler über eine gewisse Gleichgültigkeit bei den Bewerbern, aus gutem Grund: Die Generation Z ist die erste, die ihre
Bedürfnisse nicht nur analog, sondern auch digital befriedigen kann.
Anerkennung? Kreativität? Abwechslung? Oft ist alles schon über Internet- Portale und Videospiele versorgt. „Die haben gar keinen Hunger nach dem Job, die sind schon satt, wenn sie mir das erste Mal gegenüber
sitzen“ erzählte neulich ein Personaler. Das Ziel von Personalmarketing wird sich verändern müssen: Attraktiver als der Markt? Attraktiver als das Netz!