Bambi oder der große weiße Teddy

Blutunterlaufene, triefende Augen, 30 kg Muskeln, Knochen und ein grandioser Unterbiss mit Fangzähnen wie ein Wolf – das ist Bambi, der Hund meiner Freundin.

Bambi ist die Welt herzlich egal, außer sie besteht aus Bratwürsten, Döner oder Vanille-Eis. Dass eine englische Bulldogge in manchen Ländern als Kampfhund gelistet ist, hält meine Freundin für einen massiven Verstoß gegen die Genfer Konventionen und dass Bambi übellaunig auch mal nach jemanden schnappt (Opfertyp: weiblich, hysterisch, hohe Stimme) ist nichts anderes als hündisches Verhalten und im Zweifel haben die Ahnungslosen sich falsch verhalten. Wenn Passanten vorbeugend die Straßenseite wechseln, dann ist meine Freundin ratlos, wie man sich vor einem süßen weißen Teddy fürchten kann.

Bambi thront meist mittig auf dem Sofa und erwartet bei 4 Besuchern, die idealerweise auf dem Teppich davor hocken, auch 8 kraulende Hände. Ich bin sicher, dass sie das prüft, weil dem heimlichen Verweigerer durch Schupsen sein Job nochmal deutlich vor Augen geführt wird.

Wäre Bambi ein Mensch, hätte sie nach landläufiger Meinung einen schlechten Charakter, keine Freunde und wäre verbittert. Als Hund hat sie aber eine Zofe, meine Freundin, die sie abgöttisch liebt und ihr ein königliches Hundeleben ermöglicht.

Wuff
Tina Voß